Zwei Drums, eine Edition: Risograph-Praxis im Juni 2026
Fluorescent Pink trifft Federal Blue – die klassische Zwei-Drum-Kombination dominiert die deutschen Riso-Werkstätten dieses Frühsommers. Was die MZ-, SF- und EZ-Familie unterscheidet, welche Papier-GSM funktioniert und warum manche Editions im dritten Drum scheitern.
Wer im Juni 2026 in Berlin, Leipzig oder Hamburg eine Risograph-Edition in Auftrag gibt, bekommt fast zwangsläufig die gleiche Empfehlung: zwei Color-Drums, Fluorescent Pink (F-Pink, oft als „Hot Pink” geführt) und Federal Blue. Die Kombination ist kein Modethema, sie ist ein stabiles Ergebnis aus Verfügbarkeit, Pigment-Verhalten und dem, was die deutsche Riso-Szene seit etwa 2019 als common ground etabliert hat. Aber die Bedingungen verschieben sich gerade – langsam, aber deutlich genug, dass eine Bestandsaufnahme lohnt.
Maschinen-Familie: MZ, SF, EZ
Drei Familien dominieren die deutschen Werkstätten. Die MZ-Serie (vor allem MZ 970 und MZ 1090) ist die alte Profi-Klasse: zwei Drums gleichzeitig, hohe Geschwindigkeit, robuste Master-Erstellung. Drucken3000 in Berlin-Neukölln fährt eine MZ 970, die seit gut zwölf Jahren läuft und im Juni nach wie vor das Rückgrat ihrer Editions-Arbeit bildet. Vorteil: zwei Color-Durchgänge ohne Drum-Wechsel, Registration sitzt deshalb präziser. Nachteil: Master-Verschleiß ist nicht ohne, und Ersatzteile werden langsam knapp.
Die SF-Serie (SF 5230, SF 9450) ist die aktuelle Standard-Klasse, von Riso noch produziert. Single-Drum, das heißt: Wer zweifarbig druckt, fährt das Papier zweimal durch. Registration-Genauigkeit ist auf SF-Maschinen vom Papier-Einzug abhängig, und der ist bei dünneren Papieren (unter 100 g/m²) anfällig für leichten Versatz. Risodruck Leipzig setzt zwei SF 9450 nebeneinander – eine permanent mit F-Pink, eine permanent mit Federal Blue. Das spart Drum-Wechsel und ist im Juni 2026 die Lösung mit der besten Durchsatz-Quote, die wir kennen.
Die EZ-Serie ist die kleinere, leisere Variante – häufig in Atelier-Setups, weniger in kommerziellen Werkstätten. Single-Drum, langsamerer Druck, dafür kompakter. Für Editions unter 100 Exemplaren völlig ausreichend, für alles darüber zu langsam.
Drum-Verfügbarkeit Juni 2026
Die Drum-Lage hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht verschlechtert. Federal Blue und Fluorescent Pink sind beide stabil lieferbar – das sind die Brot-und-Butter-Farben, die Riso direkt nachproduziert. Bei den begehrteren Tönen wird es enger. Sunflower (das tiefe, leicht orangestichige Gelb) hat eine Lieferzeit von etwa neun Wochen, Aqua sogar zwölf. Light Lime und Brown sind in Europa derzeit nur über Drittlieferanten zu bekommen, mit entsprechenden Aufpreisen.
Das hat einen direkten Effekt auf die Editions-Praxis: Werkstätten, die drei Drums anbieten wollten – etwa für eine F-Pink/Federal-Blue/Sunflower-Kombination – verzichten im Juni häufig auf das dritte Drum und arbeiten stattdessen mit Halbton-Überdrucken aus den zwei verfügbaren Tönen. Das ist eine Beschränkung, die sich gestalterisch produktiv ausnutzen lässt: Wer F-Pink über Federal Blue legt, bekommt im Overprint einen tiefen, warmen Violett-Ton, der weder im Reinformat als Drum existiert noch ohne Mehraufwand digital zu treffen ist.
Papier-GSM und Texture
Die deutschen Werkstätten arbeiten im Juni 2026 fast einheitlich im Bereich 100–160 g/m² uncoated. Drucken3000 setzt standardmäßig Cyclus Offset 120 g/m² ein – ein Recycling-Papier mit leichter Cream-Tönung, das die Riso-Pigmente warm und satt aufnimmt. Risodruck Leipzig fährt Munken Pure Rough 120 oder, für edlere Editions, Munken Lynx 150 g/m². Beide sind FSC-zertifiziert, beide nehmen die Riso-Tinte ohne durchzuschlagen, beide haben genug Volumen, dass der charakteristische Riso-Misprint-Effekt – die feinen, unregelmäßigen Aussetzer im Vollton – sichtbar bleibt.
Über 160 g/m² wird es heikel. Riso ist als Maschine für Bürokopie konzipiert, nicht für Cardstock. Wer auf 200 oder 250 g/m² drucken will, muss mit Master-Mehrverbrauch, Einzugsproblemen und schlechterer Registration rechnen. Für Postkarten-Editions geht es bis etwa 220 g/m², wenn das Papier glatt genug ist; für alles drüber empfehlen die Werkstätten regelmäßig den Wechsel zum Digital- oder Offset-Druck.
Unter 100 g/m² (klassisches Offset-Papier oder dünnes Recycling-Papier) wird die Tinte durchsichtig, der Ton kippt ins Aquarellige. Das kann gewollt sein – einige Editorial-Praktiker:innen arbeiten bewusst auf 80 g/m² Munken Pure Light, um den durchscheinenden, fast schon transluzenten Riso-Effekt zu erzielen. Aber das ist eine bewusste Entscheidung, kein Standard.
Aktuelle Editions-Beispiele
Drucken3000 hat im Mai eine 200er-Edition für ein Berliner Kollektiv gedruckt – A4, zwei Drums (F-Pink + Federal Blue), 120 g/m² Cyclus, mit drei Overprint-Bereichen für tiefes Violett. Die Edition war innerhalb von zehn Tagen vergriffen. Risodruck Leipzig läuft im Juni eine fortlaufende Serie für eine kleine Verlagskooperation – monatliche A5-Hefte, 24 Seiten, ebenfalls F-Pink und Federal Blue, mit wechselnden Color-Way-Akzenten über Halbton-Raster.
Die Hamburger Werkstatt Knust Press – die wir hier nur am Rande erwähnen, weil sie technisch in den Niederlanden sitzt und nur projektweise nach Deutschland liefert – hat im Mai eine experimentelle Drei-Drum-Edition mit F-Pink, Federal Blue und einem Restbestand Sunflower veröffentlicht. Solche Editionen werden in den kommenden Monaten seltener, je nachdem wie die Drum-Lieferketten sich entwickeln.
Was Pattern-Designer:innen mitnehmen sollten
Wer eigene Pattern-Arbeit für Riso vorbereitet, sollte im Juni 2026 von zwei Color-Channels ausgehen, nicht von drei. Die Pattern-Anlage als Layer-System mit klar getrennten F-Pink- und Federal-Blue-Ebenen ist Standard – das vereinfacht den Workflow in den Werkstätten erheblich und reduziert Master-Fehler. Wer Halbton-Raster einsetzt, sollte bei 50 lpi oder darunter bleiben; höhere Raster kollabieren auf Riso schnell zu Volltonflächen.
Wir beobachten die Drum-Liefersituation weiter und kommen in der Juli-Ausgabe mit einer detaillierten Werkstatt-Übersicht zurück, inklusive Preisstrukturen pro Edition und Vorlaufzeiten.